Balkon saniert – und die Geschichte dahinter!
Die geneigte LeserIn weiß Bescheid. Eine Blogpause bedeutet meist besondere Aktivität am Mesnerhof. Tatsächlich haben wir den Sommer und die außergewöhnlich sonnigen Herbsttage zur Sanierung des Balkons genutzt. Ich höre Euch geradezu: Wieso denn ausgerechnet der Balkon, wo denn sonst so Vieles zu tun ist? Nun, dieser Entscheidung ist eine gar seltsame Geschichte vorangegangen, die ich Euch nicht vorenthalten will.
Es war im April dieses Jahres und nächtliche Stille lag über Steinberg am Rofan. Wir waren gerade aus Wien angekommen und wie üblich ist die erste Nacht am Mesnerhof von einer gewissen Unruhe geprägt. Man ist noch ein wenig dort und nicht ganz hier. Schon am zweiten Tag verfallen wir dann in lange und tiefe Schlafphasen. Nicht so in der ersten Nacht, ich wälzte mich hin und her begleitet vom Surren und Knarren des sich ständig bewegenden Holzgebälks. Tief in der Nacht, ich schwöre es war keine Einbildung, verdichteten sich diese rustikal-gegenständlichen Geräusche aus Tenne, Dachstuhl und Scheune zu einem Klang, dem unverwechselbaren Klang einer Stimme, die sagte
A Ruah isch!
Es wird uns ja nachgesagt, dass wir in den Bergen zu allerlei Kreaturen Kontakt aufnehmen können, sprechende Bauernhäuser waren aber auch für mich neu. Zum Beweis legte der Mesnerhof nach
Wos plagt Di?
Am Land wird schnell zum arroganten Esel wer von der nötigen Zeit für´s Ankommen, Runterkommen, Abschalten und dergleichen spricht und keinesfalls wollte ich riskieren, dass sich der Mesnerhof verständnislos von mir abwendet, also antwortete ich
Du machst es mir nicht leicht.
Wos, I?
Ja Du.
So a Blödsinn, wieso I?
Wir hatten uns nun also auf die für den alpinen Raum typischen Gesprächsform eingepasst und ich fuhr wortgewaltig und charmant fort
Weil ich nicht weiß was mit Dir anfangen!
Du mit mir, wieso?
Ich meine, ich weiß nicht was als nächstes bei Dir gemacht werden soll?
Als nächstes, bei mir, wieso?
Es ist ihm also nicht aufgefallen. In den letzten Jahren gab es zig Begehungen mit Architekten und sonstiger Experten, und alles drehte sich um die Frage wie die Sanierung des Menerhofs anzugehen sei. Mit leicht enttäuschter Stimme erklärte ich
Die nächsten Schritte, um dich wieder herzurichten!
Mi wieder herrichten?
Herzlich auflachend
Ha! Jo des is nit leicht.
Und nach einer kurzen Pause
Und, wos glaubst?
Ob des gezeigten Interesses erregt schoss ich los
Naja, die Experten sind der Meinung, dass der nächste Schritt ein größerer sein müsste, einer der das Ganze System Mesnerhof mit betrachtet, ja nur keine Einzelmaßnahmen. Und die Experten meinen…
Der Mesnerhof unterbricht mich wirsch
Du und Deine Experten, so a Blödsinn. Gemacht wird was Gmacht gehört. Seht´s ihr nit wos des is?
Ich sehe so viel, ehrlich gesagt wäre ich Dir dankbar für einen Hinweis?
No der Balkon natürlich, wos denn sonst?
Ausgerechnet der Balkon? Ist das nicht ein wenig wie „Das Pferd von hinten aufzäumen“?
Des is mir wurscht, nochmal so einen Winter wie vor zwoa Jahren und ich bin meine Zierde los!
Natürlich weiß ich, dass der Zustand Deines Balkons nicht der Beste ist. (Holzwespen hatten tatsächlich ganze Arbeit geleistet, wie die Bilder unten zeigen). Deswegen habe ich ja, wie du weißt, die Balkontür gesperrt und den Schlüssel gut versteckt.
Der Mesnerhof schweigt. Ich versuche, ihn mit einem Angebot ins Gespräch zurückzuholen
Sag, bist Du nicht auch der Meinung, dass wir zuerst von Grund auf Dein Gemäuer angehen sollten?
Die gesamte Kubatur des Gebäudes hob einem bedrohlichen Orgelspiele gleich an
I sog Dir jetzt wos, und des nur einmal! Seit 400 Jahren steh i jetzt in meine Schuh und so schnell wird mi auch die nächsten hundert Jahr nix umhauen. Aber wenn I meine Augenweide von Balkon verlier und Du mi älter ausschauen lässt als I bin, dann könnt schon sein, dass Dir amol a Bretterl auf deinen unnötigen Denkschädel fallt. Host mi?
Das klang überzeugend, wollte mich dennoch vergewissern
Hast Du denn gar keine Bedenken, dass dies nicht die richtige Reihenfolge für eine Sanierung ist. Könnt doch sein, dass wir das beide im Nachhinein bereuen?
Der alte Mesnerhof darauf, zu meiner Überraschung durchaus gewählt zitierend
Ich halte es mit Kierkegaard: Bring dich um oder bring dich nicht um, du wirst beides bereuen.
Am nächsten Tag suchte ich den Zimmermeister meines Vertrauens auf.




Hab´ doch gewusst, dass der Mesnerhof lebt! Dein nächtlicher Dialog mit dem Hof liest sich sehr amüsant. Nicht schlecht jedenfalls, wenn der Hof selbst Hinweise gibt, was zu tun ist. Vielleicht solltest Du ihn zur nächsten Architekten-Session auch dazu bitten? (Der Balkon ist jedenfalls schön geworden. Hat “er” sich schon bedankt …?)