Buchen

Making of Mesnerhof-Chalet

Achte auf die Form, in denen der Bauer baut!

Servus zusammen!

Im Frühjahr 2013, nach Jahren des Planens, des Ent- und Verwerfens und natürlich des Rechnens war es endlich soweit. Die warme Sonne hatte ihr Werk der Schneeschmelze verrichtet und so fuhren die Baumaschinen am Mesnerhof auf. Es galt, für den 200m² Wohntrakt der Bauern, das heutige Mesnerhof-Chalet, eine grundlegende Sanierung samt Drainage und Dämmung im Außenraum anzulegen. Da wunderte es wenig, dass schweres Gerät anrollte. Allerdings waren wir dann doch ein wenig überrascht, als der Baumeister unseres Vertrauens erste Bilder via Mobiltelefon (man verzeihe die schlechte Qualität) übermittelte: Da grub sich doch tatsächlich ein Bagger in der hunderte Jahre alten Stube fröhlich ins Erdreich. Ein Bagger in der Stube, in der Küche, im Hausgang…wtf...?

Wenn Gott lacht!

Das sollte erst der Vorgeschmack einer Reihe von Überraschungen sein. Insbesondere bewahrheitete sich, was alle Bauexperten im Vorfeld felsenfest behaupteten, freilich auf Tirolerisch: „Bevor nit einigschaut hosch, woascht a nit wos drinnen isch“. Gemeint war, dass kein Mensch vorab genau sagen konnte, welche Materialien in einem 400 Jahre alten Gebäude verwendet wurden, in welchem Zustand sie sind und wie die Substanz auf bauliche Eingriffe reagiert.

 So kam es auch, dass der Mesnerhof eine zeitlang ungewollt wie ein Pfahlbau aussah. Es zeigte sich nämlich erst im Zuge der Arbeiten, dass die unter Putz liegenden Holzriegelwände hangseitig stark zersetzt und nicht mehr zu retten waren. Bis wir wussten, wie der Ersatz aussehen konnte, wurde der Gebäudeteil auf provisorischen Stützen und Trägern aufgepfählt. Der daraus resultierende Durchblick, ungehindert vom Inneren auf das angrenzende Feld, war von schauerlicher Schönheit.

In der Folge gingen wir auf Nummer sicher und ließen stabile Sichtbetonwände eingießen, mit einer warmen Holstruktur als Reminiszenz an vergangenen Zeiten. Keineswegs geplant kam so das Haus auch zu einem komplett neuen Nassraumbereich. Für Unvorhersehbarkeiten wie diese kursiert unter Projektmanagern ein Bonmot: Wenn du Gott zum Lachen bringen willst, dann plane!

Vorhandenes in Szene gesetzt

Kommen Unvorhersehbarkeiten und Restriktionen anderer Art zusammen, heißt es oft schnell entscheiden und handeln. Das passende Gedankengebäude am Bau ruht auf den Eckpfeilern zwischen Pragmatismus und Kreatitivät. Rückblickend stellen wir tatsächlich fest, dass Vieles von dem, was heute von unseren Gästen als besonders charmant wahrgenommen wird, aus den damaligen Lösungszwängen floss. Dazu gehörte die Tugend des Weglassens ebenso wie die der Wiederverwendung. Und so versuchten wir, alte Dinge, auch wenn sie auf den ersten Blick nutzlos schienen, neu in Szene zu setzen.

Es bedurfte einiger Überredungskunst, unseren Tischler dazu zu bringen, die alte Haustüre sowie Balkontüre im Bad einzusetzen, unseren Installateur dazu, zwei Philipp Starck Waschschüsseln auf ein 100 Jahre alte Anrichte zu montieren oder aus einem Melkschemel und Wasserkessel einen WC-Waschtisch zu bauen und unseren Ofenbauer dazu, den uralten Wamsler-Holzherd mit neuen Schamotten auszulegen.

Vormalige Haustüren und alte Anrichte im Naßraum

Making of WC Waschtisch

Ein Wamsler verdient eine 2. Chance

Die Optik: ziemlich schief!

Es mag verwundern, dass dem Mesnerhof die Segnungen des Denkmalschutzes entsagt waren. Trotzdem stand von Anfang an außer Streit, dass im Rahmen der Neunutzung die Identität eines Bauernhauses zu erhalten ist. Als wertvoller Mitstreiter in Sachen Authentizität hat sich ein Experte der „Tiroler Dorferneuerung“ eingebracht, der insbesondere auf die ursprüngliche Außenwahrnehmung des Hofes achtete. Im Zentrum dabei standen der Austausch von zwanzig Fensterstöcken, der Neuauftrag grobkörnigen Verputzes mit entsprechender Farbgebung sowie generell die Ambition, wellige und ungerade Oberflächenstrukturen entlang des Mauerwerks – trotz kompletter Außendämmung – abzubilden. Es entlockt uns heute noch ein Schmunzeln, wenn wir uns an die klagenden Mauerer erinnern: „normalerweise werden wir am Bau dafür kritisiert, wenn es nicht gerade ist, am Mesnerhof, wenn etwas nicht mehr schief ist“.

Zwanzig mal besserer Aus-und Durchblick

Auf den Putz gehaut

Kein Pfusch am Bau!

Damit sind wir nun auch bei der Bedeutung der Auswahl von Gewerken gelandet und können uns kurz, aber umso lobender halten: die Zusammenarbeit mit den Firmen – sämtliche aus der Region (siehe unten) – war hervorragend, die fachliche Expertise beeindruckend, die Bauzeit mit knackigen vier Monaten voll im Plan und die Budgetüberschreitung hat sich angesichts der diversen Unvorhersehbarkeiten in Grenzen gehalten. Stellvertretend für alle Gewerke sei unser Bauplaner und -koordinator hervorgehoben, der die Chose so richtig gut im Griff hatte.

Roh-Entwürfe: Arch. Martin Scharfetter, Innsbruck, DI Donat Grissemann, Wien Planung & Koordination: BM Erich Eberharter, Kaltenbach im Zillertal Bauausführung: Michael & Beer GmbH, Vomp/Kaltenbach Fenster, Türen, Tischlerarbeiten: Tischlerei Jaud GmbH, Achenkirch Böden und Zimmerarbeiten: Zimmerei und Holzbau Markus Thummer, Maurach Trockenbau: Zimmerei Ludwig, Ried im Zillertal Heizung und Sanitär: Stecher Installationen, Achenkirch Elektrik: Elektro-Tom, Achenkirch Ofenbau und Herdsanierung: Ofenbau Prantl, Wattens Estrich: Dengg & Tasser, Jenbach/Brandberg Malerarbeiten: Mayer Gottfried Kaminsanierung: Bautechnik Gapp, Wiesing; u.w.m.
BESONDERER DANK gilt meinen Eltern: Chef vom Dienst: Heinrich Gasteiger, Verpflegung: Anna Gasteiger

Beste Komplimente!

Des Öfteren vernehmen wir von Leuten, die zum ersten Mal durchs sanierte Bauern-Chalet flanieren, sinngemäß: „Okay…es ist überall trocken und angenehm warm, außerdem ist der Nassraum der eines 5 Sterne Hotels würdig. Aber mit Verlaub, sonst schaut es ja aus wie anno dazumal“. Also, ein größeres Kompliment als dieses kann man uns nicht machen. Zum einen ist es uns offensichtlich gelungen, die zahlreichen technischen Lösungen in den Hintergrund treten zu lassen. Gute Beispiele dafür sind Wand- und Fußbodenheizungen sowie der komplett neu gesetzte Ofen in der Stube. Die wenigsten erahnen hinter der schlichten Anmutung einen State-of-the-Art Einsatz, der, einmal befeuert, 10 Stunden warm hält.

Zum anderen fühlen wir uns damit in unserem Wollen bestätigt, die Ästhetik eines gemeinschaftlichen Bauernhauses weitgehend zu erhalten – ganz im Geiste der Loos´schen Regel: „Achte auf die Formen, in denen der Bauer baut, denn sie sind der Urväter geronnene Substanz“.